Fotografie ist mehr als nur ein schnelles Lächeln für die Kamera oder ein weiterer Klick auf den Auslöser. Sie ist eine Gelegenheit, Menschen so zu zeigen, wie sie wirklich sind – und nicht nur, wie sie oberflächlich aussehen. Bei meinem Gespräch mit der Fotografin Elke Berger habe ich viel über den Zauber der echten, ungestellten Momente gelernt und darüber, warum es wichtig ist, dass wir in dieser hektischen Welt manchmal kurz innehalten und einfach wir selbst sind.
Elke betreibt ein Fotostudio in Wandlitz, nördlich von Berlin. Ihr Studio ist ein Ort, an dem Menschen nicht einfach durchgereicht werden, sondern ein Ort, an dem Zeit eine wichtige Rolle spielt. Zeit, um anzukommen, Zeit, um die Umgebung kennenzulernen und vor allem Zeit, um die eigene Schönheit auf eine natürliche Weise festzuhalten. Als ich mit Elke sprach, wurde klar, dass sie mehr tut, als nur Bilder zu machen. Sie schafft Erlebnisse, die den Menschen helfen, sich selbst zu erkennen – und das auf eine ehrliche, herzliche Art.
Viele von uns kennen das Gefühl: Wir brauchen ein neues Passbild und der Gang zum nächsten Fotografen ist oft eher eine Pflicht als ein Vergnügen. Schnell ein Foto, keine Zeit, keine persönliche Note, und schon ist es erledigt. Elke sieht das anders. Für sie ist selbst ein einfaches Passbild eine Gelegenheit, eine Verbindung zu ihren Kunden aufzubauen. Ihr Ziel ist es, dass niemand das Studio mit einem Bild verlässt, auf dem sie oder er sich nicht wohlfühlt. Die Menschen sollen erkennen, dass es auch bei solchen scheinbar unscheinbaren Fotos auf Details und das Wohlgefühl ankommt.
Eine der stärksten Erinnerungen, die Elke in unserem Gespräch teilte, handelte von einem älteren Ehepaar, das 65 Jahre verheiratet war. Sie hatten Elke ursprünglich aufgesucht, um neue Passbilder zu machen – und am Ende entstanden daraus wunderschöne Porträts, die ihre tiefe Verbundenheit und Lebensfreude zeigten. Das Besondere an diesen Bildern war nicht die Technik oder das Licht, sondern die echte Verbindung zwischen den beiden, die Elke mit ihrer Kamera einfangen konnte. Es ist diese Fähigkeit, den wahren Kern eines Menschen zu sehen und festzuhalten, die ihre Arbeit so besonders macht.
Heute, wo alles immer mehr auf Perfektion ausgerichtet ist, sind wir oft versucht, unsere kleinen Fehler und Schwächen zu verbergen. Wir benutzen Filter, retuschieren Bilder und versuchen, unsere „Makel“ zu verstecken. Doch Elke erinnert daran, dass genau diese Makel oft das sind, was uns besonders macht. Sie erzählt von Menschen, die ihre Falten wegretuschieren lassen wollen, und wie sie ihnen freundlich sagt: „Diese Falten haben Sie sich hart erarbeitet. Wollen Sie die wirklich weg haben?“ Mit Humor und Einfühlungsvermögen hilft sie ihren Kunden, ihre eigenen Geschichten anzunehmen und sich so zu zeigen, wie sie wirklich sind.
Diese Art von Fotografie ist ein kleines Gegengewicht zur Schnelllebigkeit unseres Alltags. Die meisten von uns sind es gewohnt, Dinge sofort zu erledigen. Wir kaufen online ein, erledigen unsere Arbeit im Akkordtempo und haben selten Zeit, wirklich durchzuatmen. Doch wenn wir ein Foto von uns machen lassen – eines, das wirklich zählt – dann geht es nicht nur darum, schnell ein Ergebnis zu bekommen. Es geht darum, eine Erinnerung zu schaffen, die uns zeigt, wie wir wirklich sind: mit all unseren Ecken und Kanten, mit unserem Lächeln und Lachfalten.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist Elkes Arbeit mit älteren Menschen. Sie erzählt, dass sie beim Fotografieren von Senioren oft schon beim Passfoto Ideen für großartige Porträts hat. Die Geschichten, die diese Menschen zu erzählen haben, spiegeln sich in ihren Gesichtern wider, und Elke lässt genau diese Geschichten lebendig werden. Sie nennt diese Projekte „Old but Gold“ – und genau darum geht es: Menschen in ihrer Lebensphase zu feiern, die oft viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Ein Moment vor der Kamera kann eine Hommage an ein ganzes Leben sein, an alle Höhen und Tiefen, an die Momente des Lachens und der Trauer.
Aber nicht nur die älteren Menschen profitieren von Elkes Fähigkeiten, den Menschen zu sehen, der vor ihr steht. Auch die jüngeren Kunden und Familien spüren, dass es ihr um mehr geht, als nur um schöne Bilder. Es geht um Authentizität, um das echte Lächeln und die Momente, in denen wir uns wohl und gesehen fühlen. Gerade für Kinder kann ein Fotoshooting oft einschüchternd sein – neue Umgebung, eine Kamera, viele Erwartungen. Elke gibt ihnen die Zeit, sich umzusehen, anzukommen und einfach sie selbst zu sein. Das Resultat sind Bilder, die die persönlichen Momente festhalten, anstatt nur gestellte Szenen zu zeigen.
Wenn wir uns die Zeit nehmen, unsere eigenen Geschichten zu akzeptieren und stolz auf sie zu sein, dann können wir auch Fotos machen lassen, die mehr sind als nur eine schöne Hülle. Sie werden zu einem Fenster in unsere Seele, in unser Leben, mit all seinen Facetten. Und genau das ist es, was Elke Berger mit ihrer Fotografie erreichen möchte: Sie möchte Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst zu sehen – ehrlich und authentisch.
Vielleicht hast auch du bald einmal die Gelegenheit, vor der Kamera zu stehen. Vielleicht für ein neues Passbild, ein Porträt oder Familienfotos. Denk daran: Es muss nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und dass du die Person erkennst, die auf dem Bild zu sehen ist. Denn schöne Fotos entstehen dann, wenn wir uns zeigen, wie wir wirklich sind. Mit einem offenen Herzen, einem echten Lächeln und all den kleinen Eigenheiten, die uns ausmachen.
Mehr über Elke und ihre Arbeit erfährst du auf ihrer Website!
